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Der Vorleser

Nach dem internationalen Bestseller von B. Schlink

Die Geschichte um Michael Berg, wie er seine große Liebe findet, verliert und nach Jahren wiedertrifft.

 

Warum fangen Sie nicht an ehrlich zu mir zu sein?
Ich habe es noch niemanden erzählt.
Das sollten sie vielleicht.
Als ich jung war, hatte ich eine Affäre.
Sie war Ihre Freundin?
So was ähnliches. Sie mochte es gern, wenn man ihr vorlas. Die Affäre dauerte nur einen Sommer.
Ich war Jurastudent, ich erinnere mich ganz deutlich.

Hat Sie jemals begriffen was sie Ihnen angetan hat?
Sie hat anderen Menschen viel schlimmeres angetan.

Michael Berg (David Kross) ist noch fünfzehn, als er an Gelbsucht erkrankt. Auf dem Weg von der Schule nach Hause muss er sich übergeben, aber eine unbekannte Frau, Hanna Schmitz (Kate Winslet), eilt ihm zur Hilfe.
Erst Monate später, als Michael wieder gesund ist und sich kräftig genug fühlt wieder raus zu gehen, trifft er Hanna wieder. Mit einem Blumenstrauß will er sich bei ihr bedanken, genau an diesem Tag verliebt er sich in sie. Er beginnt eine wilde Beziehung mit Hanna, die doppelt so alt, wie er selber ist. Auch wenn Michael die Affäre seinen Mitschülern und seiner Familie verheimlicht, so merken alle, dass er sich langsam verändert. Er schöpft neue Energie, wird erwachsen und wird vom vermeidlichen Außenseiter zu einem angesehenen jungen Mann.
Die Zeit nach der Schule verbringt er nur selten mit Gleichaltrigen, eher zieht es ihn zu Hanna, auf die er sehnsüchtig wartet, dass sie von der Arbeit kommt. Zusammen baden sie, schlafen miteinander und schließlich kommen sie sich auch privat näher.
Michael fängt an ihr vorzulesen, Hanna hört stets zu, fühlt mit den Personen in den Geschichten, beurteilt sie, versteht sie. Dennoch kommt es immer wieder zu Streit, auch auf einem gemeinsamen Ausflug, den sie in den Ferien unternehmen. Michael nimmt immer die Schuld auf sich, versteht seine Geliebte jedoch nicht.
Im neuen Schuljahr lernt er ein Mädchen kennen, da die bisher reine Jungenschule mit einer anderen Schule zusammen gelegt wird. Es ist Sommer und er verbringt zusammen mit Sophie und seinen anderen Freunden immer mehr Zeit im Schwimmbad. Auch wenn er sich immer noch zu Hanna hingezogen fühlt, eines Tages verschwindet sie und mit ihr jede Hoffnung sie jemals wieder zu sehen.

Wie weit würdest Du gehen, um ein Geheimnis zu bewahren?

Der junge Michael Berg hat inzwischen die Schule verlassen und studiert nun Jura an einer angesehenen Universität. Die Erinnerungen an Hanna sind geblieben, jedoch hat er Abstand von ihr gewonnen und wird nicht mehr von den Gedanken an sie gequält.
Als sein Professor ein Experiment startet und einige seiner Studenten mit zu einem Kriegsverbrecherprozess mit nimmt, ändert sich Michaels Leben schlagartig. Anfangs sind alle seine Kommilitonen über die Angeklagten verärgert, ertragen teilweise nicht die Brutalität, die geschildert wird. Den Angeklagten, ehemalige Aufseherinnen in einem Außenposten den Konzentrationslagers Auschwitz, werden tausende Todesfälle von Frauen zur Last gelegt. Es wurden jeden Monat Todesmärsche veranstaltet, dessen Ziel es war die Anzahl der Gefangenen zu reduzieren. Nur Nachts vergönnte man den Frauen ein wenig Schlaf und so kam es eines Nachts dazu, dass sie in eine Kirche gesperrt wurden. Bei einem verheerenden Bombenangriff brannte die Kirche vollkommen ab. Die Möglichkeit die Gefangen zu retten bestand, aber dennoch befolgten sie stur die Befehle, eine Flucht zu verhindern.
Bereits seit dem ersten Tag der Verhandlung beobachtet Michael nur eine Frau, eine Frau auf der Anklagebank. Hanna, die früher bei Siemens gearbeitet hatte, hatte sich im zweiten Weltkrieg bei der Armee gemeldet und wurde so Wärterin. Die anderen Angeklagten behaupten, dass sie damals das Kommando übernommen hatte, genauso wie sie den Bericht zu diesem Vorfall geschrieben hatte. Hanna kämpft für ihr Recht, widerspricht den Anklagepunkten jedoch nur, wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen, ansonsten stimmt sie zu und versucht dabei ihren Stolz zu bewahren. Selbst als die zu gibt den Bericht geschrieben zu haben, versucht sie eine Demütigung zu verhindern. Alleine Michael weiß, dass Hanna nicht lesen und schreiben kann, daher hatte sie im Konzentrationslager ebenfalls Frauen ausgesucht, die ihr abends vorlasen.
Hanna Schmitz wird zu einer lebenslangen Strafe verurteilt, ohne dass jemand erfährt, dass sie diesen Bericht nie geschrieben hat. Die anderen Angeklagten bekommen kürzere Freiheitsstrafen auferlegt.

Wie schuldig kann man sein?

Michael (Ralph Fiennes), inzwischen hat er sein Studium beendet, geheiratet und eine Tochter, hat sich nie getraut Hanna in der Haftanstalt zu besuchen, dennoch beschäftigt sie seine Gedanken immer noch. Schließlich scheitert seine Ehe, sein Referendariat und er schlägt den Beruf eines Rechtshistorikers ein. Es vergehen einige Jahre bevor er beginnt sich Kassetten und ein Mikrofon zu besorgen. Schließlich nimmt er einige Bücher, die er Hanna bereits vor vielen Jahren vorgelesen hat, auf Tonband auszunehmen und ihr zu schicken. Manchmal dauert es nur eine Woche bis er ein komplettes Buch aufgenommen hat, manchmal aber auch Monate bevor er das nächste Päckchen in das Gefängnis schickt.
Hanna, die zu neuem Leben aufzublühen scheint, genießt sie Post und freut sich jedes Mal, wenn sie ein neues Werk zu hören bekommt. Bald beschließt sie eines der Bücher auszuleihen, um lesen und schreiben zu lernen, damit sie sich bei Michael bedanken kann. Er dagegen lässt diese kurzen Briefe unbeantwortet, sammelt sie jedoch.
Die Leiterin des Gefängnisses bemerkt, dass Hanna nur einen Menschen hat, der ihr immer wieder Post schickt, sie allerdings nie besucht hat. Sie versucht Michael dazu zubringen, dass er sie besucht, ihr eine Arbeit und Wohnung zu suchen, da sie entlassen werden würde. Eine Woche vorher kann sich Michael dazu durchringen seine alte Geliebte zu besuchen. Er hat bereits alles organisiert und redet kurz mit ihr. Sie einigen sich darauf, dass er Hanna am Tag ihrer Entlassungen abholen soll, still und heimlich.
Als Michael jedoch eine Woche später wieder das Gefängnis betritt, wartet bereits die Leiterin auf ihn. Hanna hatte am Tag zuvor Selbstmord begangen und einen Brief hinterlassen. In diesem bedankt sie sich für alles und will, dass Michael ihr gesamtes Ersparnis der letzten Überlebenden des Todesmarsches, die gegen sie vor Gericht ausgesagt hatte, übergibt. Ebenfalls erfährt er, dass sie in ihrer Zeit im Gefängnis viel über den Holocaust und die Judenverfolgung gelesen hat, ebenso hat sie die Kassetten an einige Blinde verliehen, damit auch diese einige Geschichten hören konnten. Warum sie jedoch Selbstmord begannen hat, bleibt ungeklärt.
Als Michael die Überlebende in New York trifft, denkt er nochmals über sein vergangenes Leben nach, erzählt es der Frau. Schließlich einigen sie sich darauf, dass das Geld einer jüdischen Organisation gegen Analphabetismus zu Gute kommen soll.

Noch vor dem Kinostart am 26. Februar in Deutschland hat die Verfilmung eines weltbekannten Romans von Bernhard Schlink Der Vorleser in Amerika diverse Auszeichnungen erhalten. Ein Oscar ging an Kate Winslet als beste Hauptdarstellerin, ebenso vier weitere Nominierungen für den beliebten Academy Award.
Ebenso gab es einen weiteren Golden Globe für Kate Winslet, sowie drei weitere Nominierungen.
Nach dem Erfolg des Buches, das in 39 Sprachen übersetzt wurde, wurde die Geschichte nun unter Führung von Stephen Daldry ('Billy Elliot – I Will Dance', 'The Hours') in Berlin, Köln und Görlitz verfilmt. Gemeinsam mit den beiden Oscar nominierten Engländern Kate Winslet ('Titanic', 'Little Children') und Ralph Fiennes ('Schindlers Liste', 'Der englische Patient') wurden auch viele deutsche Schauspieler eingesetzt, unter anderem David Kross ('Knallhart', 'Krabat'), Bruno Ganz ('Luther', 'Der Baader Meinhof Komplex') und Karoline Herfurth ('Das Parfüm', 'Das Wunder von Berlin').
Doch nicht nur eine hervorragende Besetzung ist erwähnenswert, die Produzenten setzten ebenso auf ein erfahrenes Team. Zwei der der führenden Produzenten haben bereits einen Oscar in der Tasche, ebenso einer der Kameramänner, der Drehbuchautor wurde bereits zwei Mal nominiert.

Der Film Der Vorleser behandelt das Thema Holocaust und Judenverfolgung auf eine komplett neue Art und Weise. So wird hier nicht auf die Opfer Wert gelegt, sondern auf diejenigen die gezwungen waren die Todesmärsche zu begleiten und die Menschen in den Konzentrationslagern zu beaufsichtigen. Sie waren hin und her gerissen zwischen den eigenen Gefühlen und den Befehlen, die ihnen auferlegt wurden.
Insgesamt konnte man das Thema wohl nicht besser in einer Geschichte verarbeiten. Liebe, Hass und Verzweiflung wurden selten so gut darstellt, so authentisch, dass wohl jeder Zuschauer von der tragischen Geschichte um Michael und Hanna gefesselt wird.
Angesichts dessen, dass bereits Bernhard Schlink mit seinem Roman so viel Erfolgt hatte und der Roman nun endlich verfilmt wurde: 9 von 10 Punkten.

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